Wen nehmen wir auf?
Voraussetzung für
die Behandlung ist das Vorliegen einer Krankenhausbehandlungsbedürftigkeit und die
Zugehörigkeit zur Zielgruppe des Behandlungsangebotes. Es handelt sich um ein durch die
Krankenkasse finanziertes stationäres Angebot zur Krisenintervention oder Behandlung,
wobei die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei 36 Tagen liegt.
Im Sinne des Pflichtversorgungsauftrages nehmen wir
vornehmlich seelisch Erkrankte aus dem regionalen Versorgungsgebiet auf, in begründeten
Ausnahmefällen jedoch auch darüber hinaus.
In welchem Milieu findet die Behandlung statt?
Die Station 31 gliedert sich in zwei Gruppen zu je neun Betten. Die Behandlung in kleinen
Gruppen eine offen, eine geschlossen geführt erleichtert die Orientierung
und bietet vielfältige Lernmöglichkeiten. Gleichzeitig ist sie Übungsfeld für den
Alltag im Elternhaus, in der eigenen Familie oder im Wohnheim. Die praktische Umsetzung
von selbstständigem und eigenverantwortlichem Handeln hilft nicht nur bei der
Bewältigung der psychischen Probleme, sondern bereitet auch auf die Anforderungen im
Lebensalltag vor.
Gibt es ein spezialisiertes Therapieangebot?
Wir arbeiten seit knapp drei Jahren schwerpunktmäßig ambulant und stationär mit
Patienten, die neben der intellektuellen Behinderung eine
Borderline-Persönlichkeitsstörung haben. Sie werden heute den Persönlichkeitsstörungen
zugerechnet und nicht wie früher einer psychischen Erkrankung im Grenzbereich
(Borderline) zwischen Neurose und Psychose. Borderline-Störungen zeichnen sich dadurch
aus, dass die betroffenen Menschen, insbesondere Frauen, in vielen Bereichen ihres Lebens
sehr instabil sind, so z. B. im zwischenmenschlichen Verhalten, in der Stimmung und in
ihrem Selbstbild. Da es für Menschen mit einer intellektuellen Behinderung und einer
Borderline-Persönlichkeitsstörung bisher kein spezielles Therapieverfahren gab,
haben wir das Skillstrainingsmanual der dialektisch-behavioralen Therapie von M. Linehan
an die Erkenntnis- und Verarbeitungsmöglichkeiten von Lernbehinderten angepasst.
Das Ergebnis ist eine umfangreiche Materialsammlung, die
im Rahmen des Fertigkeitentrainings in Gruppen vermittelt wird. Vier Themenbereiche stehen
dabei, ausgehend von den vordringlichen Problemen der Patienten, im Vordergrund:
Stresstoleranz, zwischenmenschliche Fähigkeiten, Umgang mit Gefühlen, innere Achtsamkeit
für sich selbst und andere.
Fazit: In den letzten fünf Jahren haben
wir das Stationskonzept konsequent weiterentwickelt. Dabei galt es im Einzelfall nicht nur
zu fragen: Wie lässt sich die Symptomatik beheben? Wie sind die Probleme zu
lösen?, sondern auch danach zu fragen: Was hält den Menschen gesund? Wo sind
seine Ressourcen? Wie kann ich sie fördern und aktivieren? Der Soziologe Antonovsky
beschreibt diesen Zusammenhang in einem anschaulichen Bild: Die Menschen schwimmen in
einem Fluß voller Gefahren, Strudel, Biegungen und Stromschnellen. Der Arzt bzw.
Therapeut könnte nun in seiner krankheitsorientierten Sicht versuchen, den Kranken aus
dem Strom zu reißen. Oder aber er bildet den Schwimmer unter Berücksichtigung
seiner Ressourcen zu einem guten Schwimmer aus. Was hilft, die Stromschnellen und
Strudel zu meistern? Gezielte Schwimmübungen!
Unsere Erfahrungen sind bisher sehr ermutigend und die
Nachfrage steigt. Es motiviert nach wie vor in einem Team zu arbeiten, das sich darum
bemüht, zutiefst verletzten bzw. gestörten Menschen Kompetenzen zu vermitteln und ihnen
dabei zu helfen, Fachleute in eigener Sache zu werden. Es lohnt sich, in
dieser Form Menschen mit einer intellektuellen Behinderung groß zu schreiben. |