|
 |
Borderline
Persönlichkeitsstörung
Der Anteil der Patienten mit
Anpassungs- und Persönlichkeitsstörungen ist in der Klinik in den
letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Dies ist eine erfreuliche
Entwicklung, weil früher viele dieser Störungen unbehandelt blieben
– mit zum Teil erheblichen negativen Konsequenzen für die
Betroffenen.
Laden Sie den Flash Player
, dann Neustart, um das Video zu sehen.
start/stop: klicken Sie ins Bild
|
Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
Persönlichkeitsstörungen treten dann auf, wenn eine oder mehrere
Eigenschaften zu fortwährenden Anpassungsproblemen führen und damit die
soziale Integration eines Menschen und seine Entwicklungsmöglichkeiten
behindern. Diese Gefahr ist dann erhöht, wenn sich die spezifischen
Eigenschaften im Erleben und Verhalten sehr in den Vordergrund drängen oder
nicht durch alternative Verhaltensweisen relativiert werden können.
Persönlichkeitsstörungen sind daher weniger durch Symptome gekennzeichnet
wie etwa Angst, Zwang, Wahrnehmungsstörungen etc. Sie sind für die Umgebung
und den betroffenen Menschen auch schlechter zu erkennen, weil die Übergänge
zu normalem Verhalten fließend sind (ordentlich / zwanghaft-anankastisch,
mutig / antisozial, vorsichtig / ängstlich vermeidend, zurückhaltend /
schizoid, lebhaft / histrionisch etc.).
Was zeichnet die Borderline
Persönlichkeitsstörung aus?
Die Borderline Persönlichkeitsstörung gehört zu den Störungen, die oft eine
Krankenhausbehandlung erforderlich machen. Ihr Name beruht auf der
ursprünglichen Annahme, sie entstehe aus einer Kombination von Psychose und
Neurose. Heute wird sie aber ausschließlich den Persönlichkeitsstörungen
zugeordnet. Kern der Borderlinestörung bilden Schwierigkeiten in der
Beziehungsgestaltung und bei der emotionalen Reaktion auf Anforderungen.
Daraus entwickeln sich hauptsächlich folgende Merkmale:
- Ein Muster intensiver, aber
wechselnder sozialer Beziehungen inklusive häufiger Beziehungsabbrüche.
- Eine große emotionale Instabilität,
mit häufigen und teilweise extremen Stimmungsschwankungen.
- Selbstschädigendes Verhalten in
verschiedenen Ausprägungsformen und -arten, etwa Selbstverletzungen,
Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Ess-Störungen etc.
- Häufiger Gedanke an Suizid
(Selbstmord)
- Angst vorm Alleinsein und ständiges
Gefühl der Leere und Langeweile.
Welche Probleme treten bei der
Borderline Persönlichkeitsstörung auf?
Abhängig vom Ausprägungsgrad dieser Merkmale ist die Anpassungsfähigkeit des
Menschen erheblich beeinträchtigt. Als Folge ergibt sich viel Leid für die
Betroffenen und ihre Angehörigen. Die auftretenden Probleme sind dabei
vielfältig:
- Die Betroffenen fühlen sich in der
Regel sehr hilflos und brauchen von den Menschen ihrer Umgebung in
verstärktem Maße Zuwendung und Hilfestellungen. Einige fordern diese
Hilfen aktiv ein, sind aber mit der geleisteten Hilfe auch deswegen
unzufrieden, weil sie sich dadurch noch abhängiger fühlen.
- Die emotionale Instabilität bedingt,
dass Krisen und Konflikte nicht gemeistert werden können und es mitunter
sehr lange dauert, bis eine Erregung abgeklungen und wieder ein Zustand
des „normalen“ emotionalen Funktionierens erreicht ist. Zudem führen die
unangemessenen emotionalen Reaktionen zur Zunahme von Konflikten mit
anderen Menschen und häufigen Kontaktabbrüchen. Um die Erregung
abzubauen, greifen einige auf Drogen und Alkohol zurück oder verletzen
sich selbst.
- Aufgrund der Instabilität ist das
Leistungsvermögen ständigen Schwankungen unterworfen. Daher wirken
Menschen mit Borderline-Persönlichkeit häufig sehr kompetent, können
aber diese Kompetenz nicht in allen Situationen aktivieren. Auf die
Dauer entwickelt sich daraus ein negatives Selbstbild.
- Bei Erregung ist die Auswertung von
Erfahrungen schwerer und so ergeben sich Einschränkungen, aus
Erfahrungen zu lernen.
Wenn die Betroffenen in die Behandlung
kommen, ziehen sich diese Schwierigkeiten in der Regel schon über Jahre hin
und haben bereits ihre Spuren im sozialen Netz hinterlassen:
Partnerschaften sind zerbrochen und die berufliche Integration ist gestört.
Die meisten haben den Krankheitswert der Störung erst an diesen Folgen der
Störung wahrgenommen.
Eine Reihe von Symptomen tritt zudem im
Rahmen der Borderline-Störung vermehrt auf. Dazu gehören Ess-Störungen, aber
auch Depressionen, kurzfristige psychotische Episoden, pathologisches
Stehlen, pathologisches Spielen und schnelles Fahren.
Welche Ursachen hat die Borderline
Störung?
Die eigentliche Ursache der Störung ist bis heute nicht abschließend
geklärt. Die einen vermuten, dass die emotionale Instabilität veranlagt ist
und es im Laufe der Entwicklung nicht gelingt, diese auszugleichen. Die
anderen glauben, dass von den Betroffenen im Rahmen ihrer Entwicklung keine
festen und ausgewogenen Objektbeziehungen entwickelt werden konnten.
Letzteres bedeutet Schwankungen in der Einschätzung anderer Menschen und der
Umwelt gegenüber. Im Gegensatz zu anderen seelischen Störungen finden sich
bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung bereits Auffälligkeiten in der
Kindheit und Jugend. Dort fiel schon eine gewisse Unausgeglichenheit auf
oder die Entwicklungsbedingungen waren ungünstig. Viele Menschen mit
Borderline Störungen haben zudem im Rahmen ihrer Entwicklung traumatische
Erfahrungen machen müssen (Gewalterfahrungen, sexuelle Traumatisierungen
etc.). |