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Lichtblicke für die Seele 

Borderline Persönlichkeitsstörung
borderline7.jpg (4629 Byte)Ambulante und stationäre Behandlung möglich

 

Dieser Beitrag wurde dem PATRIOT Lippstadt, der 2003/2004 Serie zum Thema Psychotherapie entnommen.

Therapie bietet neue Lebensperspektiven

Bei der Therapie von Borderline-Störungen fährt die Westfälische Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie zweigleisig: Die Patienten können an beiden Standorten, in Eickelborn wie in Warstein, aufgenommen werden. Ein spezielles mehrmonatiges Therapieprogramm für Patienten mit Borderline-Störungen wird in Warstein auf der Station 20 angeboten.

Wie Dr. Hubert Hermes, psychologischer Psychotherapeut im Haus 28 in Eickelborn, berichtet, bemühen sich die Behandlungsteams im Rahmen der Krisenintervention darum, den zumeist hochgradig erregten Patienten zunächst einmal vor sich selbst zu schützen. „Dabei geht es uns vor allem um die Verminderung der Suizidalität und des selbstschädigenden Verhaltens."

Wichtig ist, dass sich die Patienten über ihre unhaltbare Situation klar werden, indem sie sich u. a. fragen, warum bin ich in der Klinik, warum treten bei mir diese hohen Spannungen auf und warum handele ich immer so impulsiv? Wenn die Patienten dann erst einmal aufgefangen sind, sollten sie sich in einem nächsten Schritt darüber klar werden, wie es jetzt mit ihnen weiter gehen soll; ob sie wieder nach Haus wollen oder ob sie bereit sind, sich einer dreimonatigen Behandlung zu unterziehen. Die würde nicht in Eickelborn stattfinden, wohl aber in Warstein auf der Station für Anpassungs- und Persönlichkeitsstörungen.

Der Entschluss zu einer stationären Behandlung fällt den Patienten natürlich nicht leicht; ihrem Persönlichkeitsbild entsprechend sind sie auch hier immer wieder hin- und hergerissen. Wie die Fachleute betonen, muss erst ein entsprechender Leidensdruck vorliegen, bis sich ein Patient zu einer solchen Therapie entschließt. Wie Dr. Ursula Herrmann aus Warstein berichtet, lässt die Klinik den Patienten aber auch Zeit mit ihrer Entscheidung. „In der Regel führen wir ein Vorgespräch und dann läuft eine zweimonatige Wartephase. Da gibt es zwischendurch noch zweimal einen Telefonkontakt mit dem Patienten, um herauszufinden, ob er die Therapie noch machen will; und erst wenn er wirklich fest entschlossen ist, kommt er dann zu uns in die Klinik nach Warstein."

Nach dieser Vorbereitungsphase kann dann mit dem dreimonatigen stationären Behandlungsprogramm begonnen werden. Das reicht nach Angaben der Ärztin von der Arbeits- bis zur Musiktherapie. Zu Beginn werden in Einzelgesprächen mit dem Patienten die speziellen Behandlungsziele festgelegt. Die Patienten formulieren schon am ersten Tag, was sie in der Klinik erreichen wollen. Dabei steht nach Angaben von Dr. Herrmann der Abbau von Suizidalität und Selbstschädigung sowie die Vermittlung bestimmter Fertigkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität im Mittelpunkt.

Hier gehe es aber nicht um den „großen Entwurf", sondern um kleine, realisierbare Schritte etwa nach der Devise: Ich schneide mich seltener, ich kann besser nein sagen, Wünsche äußern und Beziehungen besser gestalten. Dieses Fertigkeitstraining gliedert sich nach Angaben von Dr. Herrmann in vier Komplexe. „Wir sprechen hier z. B. von der „inneren Achtsamkeit". Dabei lernen die Patienten, innere Vorgänge besser wahrzunehmen. Sie sollen sich nicht auf zehn Dinge gleichzeitig, sondern nur auf eine Sache konzentrieren." In einem weiteren Schritt bemühen wir uns um eine größere Stress-Toleranz, die es den Patienten ermöglicht, den hohen Druck abzubauen, ohne sich gleich wieder zu „ritzen".


Besonders schwer fällt den Borderline-Patienten der nächste Komplex; dabei geht es darum, einen „angemessenen Umgang mit den Gefühlen" zu erlernen. Beim letzten Modul dreht sich alles um die so genannten „zwischenmenschlichen Fähigkeiten", also darum, jemanden um etwas zu bitten, aber auch auf eine Bitte hin nein zu sagen. Dr. Herrmann: „Mit diesen Übungen sollen die Patienten ihre verloren gegangene Selbstachtung wieder gewinnen."

Ein so umfangreiches Programm lässt sich kaum in drei Monaten absolvieren, nicht einmal bei stationärer Behandlung. Das ist aus Sicht der Therapeuten aber auch nicht tragisch, denn ein Teil der Behandlung kann auch ambulant erfolgen. Dafür ist Matthias Eickhoff, Arzt und Psychotherapeut in der Warsteiner Ambulanz zuständig. Nach seinen Angaben kann die ambulante Phase bis zu zwei Jahren dauern. „Da können die Patienten die Module, die sie in der stationären Behandlung nicht absolviert haben, nachholen und gleichzeitig die bereits erworbenen Fähigkeiten noch einmal vertiefen."

Bei der ambulanten Therapie kommen acht Patienten einmal pro Woche mit zwei Therapeuten in der Gruppe zusammen. Daneben gibt es noch Einzelgespräche bei einer Psychotherapeutin. Nach den Erfahrungen von Matthias Eickhoff sind die Patienten in dieser Phase sehr engagiert. Spätestens jetzt merken sie, dass die Therapie etwas bewirkt und dass sie ihnen etwas bringt. Fachleute bewerten die Ergebnisse der Therapie mittlerweile als sehr ermutigend. Für viele Patienten zeichnen sich nach der Behandlung befriedigende Lebensperspektiven ab. Das bestätigt auch Joachim Schuster: „Nicht selten können wir nach Abschluss der Therapie beobachten, dass die Patienten wieder mit ihren Partnern und Angehörigen zurechtkommen und auch in ihrem Berufsleben sind Fortschritte erkennbar."

Medikamente nur in Maßen
Spezielle Medikamente zur Behandlung der Borderline-Störung gibt es nicht. Dennoch kann man nach Meinung von Experten einige Symptome medikamentös behandeln.
So werden z. B. zum Abbau von Spannungen beruhigend wirkende Medikamente eingesetzt. Erfolgreich kann auch die Einnahme so genannter Neuroleptika sein, etwa bei besonderen Anspannungen oder dem Gefühl einer inneren Leere. Wie die Therapeuten betonen, werden Medikamente aber nur ganz gezielt eingesetzt, und letztlich entscheiden die Patienten selbst, ob sie Medikamente einnehmen wollen oder nicht.

 
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erstellt vom Stadtmarketingverband Warstein e.V. in Zusammenarbeit mit den LWL-Kliniken Lippstadt und Warstein
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