.
Rotpunktoben.jpg (5042 Byte) LWLLogorechts.jpg (3412 Byte)

Lichtblicke für die Seele 

 


Klassifikation psychischer Störungen
 

Organische psychische Störungen (F0)
Das erste Kapitel der ICD-10, die F0-Gruppe, befasst sich mit den  psychischen Störungen, die auf eine nachweisbare Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns zurückzuführen sind. Im Vordergrund stehen die Demenzerkrankungen, z. B. die „Demenz bei Alzheimerkrankheit“ oder die „Vaskuläre Demenz“, die bei Hirndurchblutungsstörungen entstehen kann. Auch ein nicht auf Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch zurückgehendes Delir findet sich hier. Viele weitere Diagnosen richten sich nach dem dominierenden Symptom und heißen bei optischen oder akustischen Halluzinationen z. B. „organische Halluzinose“, während bei Wahnvorstellungen oder wahnhafter Verarbeitung der Umwelt eine „organische wahnhafte Störung“ diagnostiziert wird.

Vergleichbare Diagnosen vor 100 Jahren waren „Altersblödsinn“ (Aloys Alzheimer beschrieb erstmals 1906 die später nach ihm benannte Alzheimer-Krankheit) und der „präsenile Beeinträchtigungswahn“. Unter den Überschriften „Infektiöses Irresein“ und „Erschöpfungsirresein“ gab es u. a. „Fieber- bzw. Infektionsdelir“ und das „Collapsdelir“ sowie die „akute Verwirrtheit“. Der „Dementia paralytica“, einer heute kaum mehr vorkommenden schweren psychischen Störung im Rahmen der Syphilis, war sogar mehr Platz als jeder anderen Krankheit gewidmet, ebenso dem „epileptischen Irresein“.

 
Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F1)
Im zweiten Abschnitt der ICD geht es um Erkrankungen, die durch ungünstigen Einfluss verschiedener Substanzen auf das Gehirn entstehen und bis hin zur Abhängigkeit mit ihren Folgen führen können. Dabei wird unterschieden z. B. nach „Störungen durch Alkohol“ und „Störungen durch Opioide“. Es gibt entsprechende weitere Gruppen je nach konsumierter Substanz, u. a. Cannabis, Sedativa (hierunter fallen auch die klassischen und oft als Beruhigungs- und Schlafmittel benutzten Benzodiazepine), Kokain, Amphetamine, aber auch Tabak und Koffein. Je nach Krankheitsverlauf und aktueller Symptomatik gibt es dann Diagnosen wie „akute Intoxikation“, „schädlicher Gebrauch“, „Abhängigkeitssyndrom“, „Entzugssyndrom“ und „psychotische Störung“. Bei einzelnen Substanzen kann es darüber hinaus zu bleibenden Schäden kommen, gekennzeichnet als das „amnestische Syndrom“, eine anhaltende “Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung“ bis hin zu einer „Demenz“ z. B. nach langjährigem Alkoholmissbrauch.
Nach kurzer Abhandlung anderer akuter Vergiftungen wie dem „Haschischdelirium“ beschäftigte sich Kraepelin intensiver mit „Alkoholismus“, „Morphinismus“ (der sich vor allem bei Ärzten und ihren Angehörigen fand) und „Cocainismus“. Neben dem „Rausch“ beschrieb er chronische Störungen, beim Alkohol z.B. das „Delirium tremens“, die „Korsakowsche Psychose (chronisches Delirium)“, den „hallucinatorischen Wahnsinn der Trinker“ und den „Eifersuchtswahn der Trinker“; beim Cocain u. a. den „Cocainwahnsinn“.
 
Affektive Störungen (F3)
Zu den am häufigsten vorkommenden psychischen Störungen überhaupt gehören die krankhaften Veränderungen von Stimmung und Affektivität. Auf der einen Seite stehen die deutlich häufigeren „depressiven Episoden“; bei anhaltender gehobener oder auch gereizter Stimmung handelt es sich um “manische Episoden“. Dabei werden diese Erkrankungen nach Schweregrad unterschieden, also z. B. in „leichte, mittelgradige oder schwere depressive Episode“. Kommt es bei einer Person im Krankheitsverlauf z. B. nach einer oder mehreren depressiven Episoden zu einer manischen Krankheitsphase, wird von diesem Zeitpunkt an von einer „bipolaren affektiven Störung“ gesprochen. Viele Menschen leiden unter wiederholten Depressionen, die dann als „rezidivierende depressive Störungen“ bezeichnet werden. Für chronisch bestehende, aber oft weniger stark ausgeprägte Depressionen gibt es schließlich noch die Diagnosen „Zyklothymia“ und „Dysthymia“.
Im Lehrbuch von 1903 wird das „manisch-depressive Irresein“ mit „manischen, depressiven und Mischzuständen“ beschrieben. Vom Verlauf her wurde unterschieden nach „einfachen und periodischen Formen (Manie, Melancholie)“ und dem „circulären Irresein“. Im engeren Sinne wurde unter „Melancholie“ die Depression im Alter verstanden.
 
Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen (F4)
Die Diagnosen im 5. Kapitel der ICD-10 orientieren sich überwiegend an einem Hauptsymptom. So gibt es die „phobische Störung“, bei der die Angst durch klar definierbare Situationen oder Objekte hervorgerufen wird (z. B. „Agoraphobie“, „soziale Phobie“ und „Tierphobie“). Wiederkehrende schwere Angstattacken werden „Panikstörung“ genannt, hiervon abgegrenzt wird eine „generalisierte Angststörung“. Weitere neurotische Störungen sind u. a. die „Zwangsstörung“ und „Somatisierungsstörung“. Die heutigen „dissoziativen Störungen“ wurden früher als Konversionsneurose oder Hysterie bezeichnet. Außergewöhnlich belastende Lebensereignisse oder -situationen können schließlich zu unterschiedlichen psychischen Symptomen im Sinne einer „akuten Belastungsreaktion“, einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ oder zu einer „Anpassungsstörung“ führen.
Schon beeinflusst von Sigmund Freud nahm unter den „psychogenen Neurosen“ das „hysterische Irresein“ einen deutlich größeren Raum ein als die „Schreckneurose“ und die „Erwartungsneurose“. Bei der Letztgenannten wurde eine nähere Verwandtschaft zu den Phobien gesehen. Die „Phobien“ (u. a. „Platzangst“, „krankhafte Befangenheit“) wurden ebenso zum „Zwangsirresein“ gezählt wie auch die „Zwangsvorstellungen“ und die „Zweifelsucht“.
 
Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren (F5)
An erster Stelle stehen in der ICD-10 hier die „Essstörungen“ mit der „Anorexia nervosa“ und „Bulimia nervosa“ (Bulimie). Es folgen die „nicht-organischen Schlafstörungen“, wozu vor allem die „Insomnie“ (Schlaflosigkeit, Ein- u./o. Durchschlafstörung) gehört, aber auch das „Schlafwandeln“ und die „Alpträume“. Zu den „sexuellen Funktionsstörungen, nicht verursacht durch eine organische Störung oder Erkrankung“ zählen ein „Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen“ (Frigidität), das „Versagen genitaler Reaktionen“ (z. B. psychogene Impotenz, Erektionsstörungen) und eine „Orgasmusstörung“.
Vergleichbare Krankheitsbilder bzw. Diagnosen gibt es im Lehrbuch von 1903 nicht.
 
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F6)
Der siebte Abschnitt der ICD-10 greift die Persönlichkeitsstörungen auf, die unterteilt werden z. B. in „paranoide, schizoide, dissoziale, histrionische, ängstliche oder abhängige Persönlichkeitsstörung“. Hier findet sich auch die in den letzten Jahren vermehrt diagnostizierte Borderline-Störung, genauer als „emotional instabile Persönlichkeitsstörung“ bezeichnet. Zu den „abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“ gehören das „pathologische Spielen“, die „pathologische Brandstiftung“ und das „pathologische Stehlen“. Neben den selteneren „Störungen der Geschlechtsidentität“ gibt es „Störungen der Sexualpräferenz“, worunter der „Exhibitionismus“ und die „Pädophilie“ fallen.
Die „originären Krankheitszustände“ wurden als „einfacher Ausfluss der angeborenen psychopathischen Eigenart“ betrachtet. Als deren allgemeinste Erscheinungsform wurde die „Nervosität“ beschrieben. Neben dem schon erwähnten „Zwangsirresein“ zählte man hierzu die „konstitutionelle Verstimmung“ und „konstitutionelle Erregung“, das „impulsive Irresein (u. a. Wander-, Brandstiftungs- und Stehltrieb)“ sowie „geschlechtlichen Verirrungen“. Zu diesen gehörten seinerzeit u. a. „Onanie, Exhibitionismus und conträre Sexualempfindung (Homosexualität)“. Von den „originären Krankheitszuständen“ wurden die „psychopathischen Persönlichkeiten“ abgegrenzt. Hier aufgeführte Diagnosen waren „geborene Verbrecher“, „Haltlose“, „krankhafte Lügner und Schwindler“ sowie „Pseudoquerulanten“.
 
Intelligenzminderung (F7)
Bei primär unvollständiger oder stehen gebliebener Entwicklung der geistigen Fähigkeiten kann es u. a. zu einer Minderung der Intelligenz kommen. Deren Ausmaß wird in der Diagnose zum Ausdruck gebracht, z. B. als „mittelgradige Intelligenzminderung“. Kommt es infolge einer Hirnerkrankung oder -schädigung erst später zu einer stärkeren und anhaltenden Intelligenzminderung, handelt es sich möglicherweise um eine „Demenz“, auf die schon bei den „organischen psychischen Störungen“ hingewiesen wurde.
Als „psychische Entwicklungshemmungen“ kannte man früher die „Imbecillität“ als leichtere Form sowie die „Idiotie“. Kraepelin prägte selbst 1909 den lange gebräuchlichen Oberbegriff „Oligophrenie“ für die angeborene oder früh erworbene geistige Behinderung.
 
Normalbereiche des Bewusstseins
Beim Wachsein (Vigilanz) gibt es die normalen Schwankungen zwischen Wachheit und Schlaf. Wir bleiben wacher durch angeregte Unterhaltung, Freude oder auch Angst und Schmerz, werden schläfriger durch eintönige Umgebung oder Langeweile. Aus dem Schlaf sind wir durch Sinneseindrücke jederzeit weckbar, wobei im Halbschlaf schon leichte Reize genügen. Bewusstseinsklar ist der Mensch, wenn er voll wach ist. Das bedeutet, dass er erst dann über seine geistigen Fähigkeiten richtig verfügen kann. Ein weiterer Bereich ist die Besonnenheit (Besinnung). Darunter wird die Fähigkeit verstanden, eine Situation zu überblicken und unter Einbeziehung der eigenen Lebenserfahrungen zu begreifen bzw. sich darauf einzustellen. Ein banales Alltagsbeispiel hierfür ist das Einschalten einer Lampe in einem dunkler werdenden Raum.
 
Bewusstseinsstörung?
Unter Berücksichtigung des Schlafes ist eine Veränderung des Bewusstseins also ein alltäglicher, normaler Vorgang. Davon abzugrenzen sind die krankhaften Störungen des Bewusstseins. Sie sind häufig, können jeden treffen und unterschiedliche Gründe haben. Zu den ersten Aufgaben des Arztes gehört es deshalb festzustellen, wie es sich mit dem Bewusstsein des Patienten verhält. Ist er wach und bewusstseinsklar, ist sein Bewusstsein auf natürliche Weise verändert oder ist es krankhaft gestört? Wenn ja, worauf ist dies zurückzuführen? Alkohol, Drogen und andere Substanzen können das Bewusstsein beeinträchtigen. Das gilt auch für eine Vielzahl von Erkrankungen des Gehirns selber sowie Krankheiten, die sich auf die Funktion des Gehirns auswirken. Bei einer neu aufgetretenen Bewusstseinsstörung gilt es die Ursache heraus zu finden, um geeignete Behandlungsmöglichkeiten anzuschließen.
 
Als Patient bei vollem Bewusstsein
Gar nicht so selten sind epileptische Anfälle, bei denen im Gegensatz zum sog. Großen Anfall (Grand Mal-Anfall) das Bewusstsein voll erhalten ist. In der Neurologie gibt es z. B. die Amyotrophische Lateralsklerose, bei der die Betroffenen ihre fortschreitende (Atem-)Lähmung bewusst miterleben. Dies gilt auch für die das Gehirn angreifende Tollwut oder die Lebensmittelvergiftung mit dem Nervengift Botulin. In der Neurochirurgie ist es bei einigen gezielten Eingriffen erforderlich, dass der Patient wach und ansprechbar bleibt.
 
Bewusstseinsstörungen
In der Psychiatrie werden zwei Formen der Bewusstseinsstörung unterschieden. Krankhafte Veränderungen im Bereich des Wachseins werden als Vigilanzstörungen oder quantitative Bewusstseinsstörungen bezeichnet. Hierbei nimmt der Grad an Wachheit ab, d. h. die Bewusstseinshelligkeit. Üblicherweise werden dabei vier Stadien unterschieden.
Die wohl geläufigste Form der Bewusstseinsstörung ist die Bewusstlosigkeit, wobei mit diesem Begriff keine konkrete Aussage über den Grad der Bewusstseinstrübung verbunden ist. Der Bewusstlose reagiert nicht auf (lautes) Ansprechen und (kräftiges) Anfassen bzw. Schütteln, zeigt auch kaum Reaktion auf Schmerzreize. Die Muskeln sind erschlafft und wichtige Schutzreflexe wie Schlucken oder Husten funktionieren nicht mehr. Es besteht somit die Gefahr, dass der Betroffene erstickt.
Die Benommenheit als leichtestes Stadium der Bewusstseinsstörung geht einher mit Verlangsamung im Denken und Reagieren, mit Müdigkeit und Schläfrigkeit. Der Blick für zeitliche Abläufe wird getrübt. Das klare Denken oder Lösen von komplizierten Aufgaben gelingt nicht mehr oder nur noch kurzfristig.
Bei der Somnolenz ist der Betroffene schon stark verlangsamt, apathisch und schläft immer wieder ein, er kann aber durch stärkere Weckreize wie lautes Ansprechen oder Schütteln geweckt bzw. am Schlafen gehindert werden. Von sich aus spricht er in der Regel nicht mehr, die Aussprache ist meist deutlich beeinträchtigt, das Gesagte besteht nur noch aus wenigen Worten. Während im Sopor noch mit Mühe und intensivsten Reizen eine kurzfristige Reaktion bzw. Weckung möglich ist, ist der Mensch im Koma nicht mehr weckbar. Selbst stärkste Weckreize (z. B. Schmerzen) rufen keine Regung mehr hervor.
Beim Wachkoma oder apallischen Syndrom, das mitunter Folge einer schweren Hirnschädigung ist, erscheint der Betroffene dagegen tagsüber wach, während er nachts meistens schläft. Im Wachzustand liegt er in der Regel ruhig, fixiert mit den offenen Augen nicht die Umgebung, spricht nicht, reagiert nicht auf Reize und führt keine sinnvollen Handlungen aus. Auch hier gibt es mildere Formen mit gewissen Reaktionen auf Reize aus der Umwelt.
Im Gegensatz zu den vorgenannten Zuständen einer Bewusstseinsverminderung gibt es auch eine Überwachheit. Hierfür kennzeichnend sind u. a. erhöhte Aufmerksamkeit, schnelle Auffassungs- und Reaktionsfähigkeit sowie rasches Begreifen.
Eine Bewusstseinsstörung kann viele Ursachen haben und weist immer auf eine deutliche Beeinträchtigung der Hirnfunktion hin. Durchblutungsstörungen, Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder Sauerstoffmangel als allgemeine Störungen können das Bewusstsein herabsetzen. Dies gilt besonders für unmittelbare Schädigungen des Gehirns durch z. B. Gehirnerschütterung, Hirninfarkte, Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Trauma und Hirntumoren. Auch epileptische Anfälle als vorübergehende Störungen der Hirnfunktion sind zu nennen. Die eher seltene Überwachheit wird in erster Linie durch bestimmte Drogen und manische Zustände hervorgerufen.
Als qualitative Bewusstseinsstörungen werden krankhafte Veränderungen im Bereich der Bewusstseinsklarheit bezeichnet. Obwohl wach, sind die Betroffenen in unterschiedlichem Ausmaß verwirrt und vor allem desorientiert. Die häufigsten Störungen dieser Art sind das Delir und der Dämmerzustand.
Im Delir geht die zeitliche und örtliche Orientierung sowie der Zusammenhang im Denken verloren. Es kann passieren, dass Personen und Situationen verkannt werden. Oft kommt es zu optischen Halluzinationen, d. h. es werden Personen, Tiere o. a. gesehen, die real nicht vorhanden sind. Es können aber auch andere Halluzinationen auftreten, z. B. das Hören von Stimmen oder Geräuschen oder das Fühlen von Veränderungen z. B. am Körper. Diese Veränderungen und Fehleinschätzungen rufen nicht selten Angst, Unruhe und Rastlosigkeit hervor. Dem deliranten Menschen fehlt die Einsicht, krank zu sein und die Fähigkeit, sein Verhalten richtig zu steuern. Im Delir treten oft auch vegetative Veränderungen wie Anstieg von Blutdruck, Puls und Temperatur, ferner Schweißausbrüche und Zittern hinzu, die u. a. zur starken Kreislaufbelastung führen können. Ein Delir kann nur Stunden, aber auch Tage andauern, die Betroffenen können sich anschließend nicht oder nur teilweise daran erinnern. Ursache für ein Delir ist nicht nur die Alkoholkrankheit, es ist auch möglich unter dem Einfluss von Vergiftungen oder bei Unverträglichkeit verschiedener Medikamente. Bei stärker Demenzkranken entspricht eine abends/nachts einsetzende erhöhte Verwirrtheit oft einem deliranten Zustand. Weitere Ursachen sind z. B. starke Stoffwechselstörungen und hohes Fieber.
Beim Dämmerzustand ist das Bewusstsein eingeengt auf bestimmtes inneres Erleben. Entsprechend ist die Beachtung der Umwelt vermindert oder ganz aufgehoben. Auf Außenreize oder Ansprache erfolgt eine veränderte oder keine Reaktion. Die Denkvorgänge sind gestört, Verkennungen und Halluzinationen können vorkommen. Die Betroffenen können ruhig, aber auch unruhig oder erregt sein. Die beim Delir häufigen vegetativen Störungen kommen in der Regel nicht vor. Meist beginnen und enden Dämmerzustände plötzlich, oft enden sie mit einem Schlaf. Nachher besteht keine Erinnerung an den Dämmerzustand, d. h. es liegt eine Amnesie vor. Abhängig von der Ursache wird zwischen organischen und psychisch bedingten Dämmerzuständen unterschieden. Zur ersten Gruppe gehören Dämmerzustände bei bestimmten epileptischen Anfallsformen, nach einer Hirnschädigung oder beim Aufwachen aus der Narkose, bei Hirndurchblutungsstörungen, Stoffwechselstörungen und Vergiftungen. Unfälle oder mit starker Angst erlebte Situationen können einen seelisch bedingten Ausnahme- oder Dämmerzustand herbeiführen.
 
Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (F2)
Je nach vorherrschender Symptomatik unterscheiden wir eine „paranoide Schizophrenie“ von einer „hebephrenen, katatonen oder undifferenzierten Schizophrenie“. Der unterschiedliche Krankheitsverlauf kann schon in der Diagnose mit den Bezeichnungen „kontinuierlich“ oder „episodisch“ gekennzeichnet werden. Besondere Verlaufsformen sind die „Schizophrenia simplex“ und das „schizophrene Residuum“. Abzugrenzen von der Schizophrenie ist eine „anhaltende wahnhafte Störung“. Diese Diagnose wird gestellt, wenn ein länger andauernder Wahn besteht, gleichzeitig aber keine Hirnerkrankung nachweisbar und auch kein Zusammenhang mit einer Schizophrenie erkennbar ist. Eine häufige Diagnose ist auch die „vorübergehende akute psychotische Störung“, die eine Reaktion auf eine akute schwere Belastung darstellen kann. Oft genug bleibt die Ursache dieser Störung jedoch unklar. Nicht so selten sind auch „schizoaffektive Störungen“. Hier finden sich schizophrene Symptome gleichzeitig mit ausgeprägteren depressiv bzw. manisch gefärbten Krankheitsepisoden.
Der Begriff „Schizophrenie“ wurde erst 1911 von Bleuler geprägt. Vorher war von einer „Dementia praecox“ die Rede, bei der„hebephrenische, katatonische und paranoide Formen“ unterschieden wurden. Unterstellt wurde bei allen Formen ein fast immer eintretender bleibender „eigenartiger Schwächezustand“. Die „Verrücktheit (Paranoia)“ kennzeichnete das chronische Vorhandensein von Wahn als Hauptsymptom.
 
 
fusslinie.jpg (2046 Byte)
erstellt vom Stadtmarketingverband Warstein e.V. in Zusammenarbeit mit den LWL-Kliniken im Kreis Soest    Inhaltsübersicht
ecke.jpg (1206 Byte)