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Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F1)
Im zweiten Abschnitt der ICD geht es um Erkrankungen, die durch ungünstigen
Einfluss verschiedener Substanzen auf das Gehirn entstehen und bis hin zur
Abhängigkeit mit ihren Folgen führen können. Dabei wird unterschieden z. B.
nach „Störungen durch Alkohol“ und „Störungen durch Opioide“. Es gibt
entsprechende weitere Gruppen je nach konsumierter Substanz, u. a. Cannabis,
Sedativa (hierunter fallen auch die klassischen und oft als Beruhigungs- und
Schlafmittel benutzten Benzodiazepine), Kokain, Amphetamine, aber auch Tabak
und Koffein. Je nach Krankheitsverlauf und aktueller Symptomatik gibt es
dann Diagnosen wie „akute Intoxikation“, „schädlicher Gebrauch“,
„Abhängigkeitssyndrom“, „Entzugssyndrom“ und „psychotische Störung“. Bei
einzelnen Substanzen kann es darüber hinaus zu bleibenden Schäden kommen,
gekennzeichnet als das „amnestische Syndrom“, eine anhaltende
“Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung“ bis hin zu einer „Demenz“ z. B.
nach langjährigem Alkoholmissbrauch.
Nach kurzer Abhandlung anderer akuter Vergiftungen wie dem
„Haschischdelirium“ beschäftigte sich Kraepelin intensiver mit
„Alkoholismus“, „Morphinismus“ (der sich vor allem bei Ärzten und ihren
Angehörigen fand) und „Cocainismus“. Neben dem „Rausch“ beschrieb er
chronische Störungen, beim Alkohol z.B. das „Delirium tremens“, die
„Korsakowsche Psychose (chronisches Delirium)“, den „hallucinatorischen
Wahnsinn der Trinker“ und den „Eifersuchtswahn der Trinker“; beim Cocain u.
a. den „Cocainwahnsinn“. |
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Affektive Störungen (F3)
Zu den am häufigsten vorkommenden psychischen Störungen überhaupt gehören
die krankhaften Veränderungen von Stimmung und Affektivität. Auf der einen
Seite stehen die deutlich häufigeren „depressiven Episoden“; bei anhaltender
gehobener oder auch gereizter Stimmung handelt es sich um “manische
Episoden“. Dabei werden diese Erkrankungen nach Schweregrad unterschieden,
also z. B. in „leichte, mittelgradige oder schwere depressive Episode“.
Kommt es bei einer Person im Krankheitsverlauf z. B. nach einer oder
mehreren depressiven Episoden zu einer manischen Krankheitsphase, wird von
diesem Zeitpunkt an von einer „bipolaren affektiven Störung“ gesprochen.
Viele Menschen leiden unter wiederholten Depressionen, die dann als „rezidivierende
depressive Störungen“ bezeichnet werden. Für chronisch bestehende, aber oft
weniger stark ausgeprägte Depressionen gibt es schließlich noch die
Diagnosen „Zyklothymia“ und „Dysthymia“.
Im Lehrbuch von 1903 wird das „manisch-depressive Irresein“ mit „manischen,
depressiven und Mischzuständen“ beschrieben. Vom Verlauf her wurde
unterschieden nach „einfachen und periodischen Formen (Manie, Melancholie)“
und dem „circulären Irresein“. Im engeren Sinne wurde unter „Melancholie“
die Depression im Alter verstanden.
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Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen (F4)
Die Diagnosen im 5. Kapitel der ICD-10 orientieren sich überwiegend an einem
Hauptsymptom. So gibt es die „phobische Störung“, bei der die Angst durch
klar definierbare Situationen oder Objekte hervorgerufen wird (z. B. „Agoraphobie“,
„soziale Phobie“ und „Tierphobie“). Wiederkehrende schwere Angstattacken
werden „Panikstörung“ genannt, hiervon abgegrenzt wird eine „generalisierte
Angststörung“. Weitere neurotische Störungen sind u. a. die „Zwangsstörung“
und „Somatisierungsstörung“. Die heutigen „dissoziativen Störungen“ wurden
früher als Konversionsneurose oder Hysterie bezeichnet. Außergewöhnlich
belastende Lebensereignisse oder -situationen können schließlich zu
unterschiedlichen psychischen Symptomen im Sinne einer „akuten
Belastungsreaktion“, einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ oder zu
einer „Anpassungsstörung“ führen.
Schon beeinflusst von Sigmund Freud nahm unter den „psychogenen Neurosen“
das „hysterische Irresein“ einen deutlich größeren Raum ein als die
„Schreckneurose“ und die „Erwartungsneurose“. Bei der Letztgenannten wurde
eine nähere Verwandtschaft zu den Phobien gesehen. Die „Phobien“ (u. a.
„Platzangst“, „krankhafte Befangenheit“) wurden ebenso zum „Zwangsirresein“
gezählt wie auch die „Zwangsvorstellungen“ und die „Zweifelsucht“. |
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Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren (F5)
An erster Stelle stehen in der ICD-10 hier die „Essstörungen“ mit der „Anorexia
nervosa“ und „Bulimia nervosa“ (Bulimie). Es folgen die „nicht-organischen
Schlafstörungen“, wozu vor allem die „Insomnie“ (Schlaflosigkeit, Ein- u./o.
Durchschlafstörung) gehört, aber auch das „Schlafwandeln“ und die
„Alpträume“. Zu den „sexuellen Funktionsstörungen, nicht verursacht durch
eine organische Störung oder Erkrankung“ zählen ein „Mangel oder Verlust von
sexuellem Verlangen“ (Frigidität), das „Versagen genitaler Reaktionen“ (z.
B. psychogene Impotenz, Erektionsstörungen) und eine „Orgasmusstörung“.
Vergleichbare Krankheitsbilder bzw. Diagnosen gibt es im Lehrbuch von 1903
nicht. |
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Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F6)
Der siebte Abschnitt der ICD-10 greift die Persönlichkeitsstörungen auf, die
unterteilt werden z. B. in „paranoide, schizoide, dissoziale, histrionische,
ängstliche oder abhängige Persönlichkeitsstörung“. Hier findet sich auch die
in den letzten Jahren vermehrt diagnostizierte Borderline-Störung, genauer
als „emotional instabile Persönlichkeitsstörung“ bezeichnet. Zu den
„abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“ gehören das
„pathologische Spielen“, die „pathologische Brandstiftung“ und das
„pathologische Stehlen“. Neben den selteneren „Störungen der
Geschlechtsidentität“ gibt es „Störungen der Sexualpräferenz“, worunter der
„Exhibitionismus“ und die „Pädophilie“ fallen.
Die „originären Krankheitszustände“ wurden als „einfacher Ausfluss der
angeborenen psychopathischen Eigenart“ betrachtet. Als deren allgemeinste
Erscheinungsform wurde die „Nervosität“ beschrieben. Neben dem schon
erwähnten „Zwangsirresein“ zählte man hierzu die „konstitutionelle
Verstimmung“ und „konstitutionelle Erregung“, das „impulsive Irresein (u. a.
Wander-, Brandstiftungs- und Stehltrieb)“ sowie „geschlechtlichen
Verirrungen“. Zu diesen gehörten seinerzeit u. a. „Onanie, Exhibitionismus
und conträre Sexualempfindung (Homosexualität)“. Von den „originären
Krankheitszuständen“ wurden die „psychopathischen Persönlichkeiten“
abgegrenzt. Hier aufgeführte Diagnosen waren „geborene Verbrecher“,
„Haltlose“, „krankhafte Lügner und Schwindler“ sowie „Pseudoquerulanten“.
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Intelligenzminderung (F7)
Bei primär unvollständiger oder stehen gebliebener Entwicklung der geistigen
Fähigkeiten kann es u. a. zu einer Minderung der Intelligenz kommen. Deren
Ausmaß wird in der Diagnose zum Ausdruck gebracht, z. B. als „mittelgradige
Intelligenzminderung“. Kommt es infolge einer Hirnerkrankung oder
-schädigung erst später zu einer stärkeren und anhaltenden
Intelligenzminderung, handelt es sich möglicherweise um eine „Demenz“, auf
die schon bei den „organischen psychischen Störungen“ hingewiesen wurde.
Als „psychische Entwicklungshemmungen“ kannte man früher die „Imbecillität“
als leichtere Form sowie die „Idiotie“. Kraepelin prägte selbst 1909 den
lange gebräuchlichen Oberbegriff „Oligophrenie“ für die angeborene oder früh
erworbene geistige Behinderung. |
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Normalbereiche des Bewusstseins
Beim Wachsein (Vigilanz) gibt es die normalen Schwankungen zwischen Wachheit
und Schlaf. Wir bleiben wacher durch angeregte Unterhaltung, Freude oder
auch Angst und Schmerz, werden schläfriger durch eintönige Umgebung oder
Langeweile. Aus dem Schlaf sind wir durch Sinneseindrücke jederzeit weckbar,
wobei im Halbschlaf schon leichte Reize genügen. Bewusstseinsklar ist der
Mensch, wenn er voll wach ist. Das bedeutet, dass er erst dann über seine
geistigen Fähigkeiten richtig verfügen kann. Ein weiterer Bereich ist die
Besonnenheit (Besinnung). Darunter wird die Fähigkeit verstanden, eine
Situation zu überblicken und unter Einbeziehung der eigenen
Lebenserfahrungen zu begreifen bzw. sich darauf einzustellen. Ein banales
Alltagsbeispiel hierfür ist das Einschalten einer Lampe in einem dunkler
werdenden Raum.
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Bewusstseinsstörung?
Unter Berücksichtigung des Schlafes ist eine Veränderung des Bewusstseins
also ein alltäglicher, normaler Vorgang. Davon abzugrenzen sind die
krankhaften Störungen des Bewusstseins. Sie sind häufig, können jeden
treffen und unterschiedliche Gründe haben. Zu den ersten Aufgaben des Arztes
gehört es deshalb festzustellen, wie es sich mit dem Bewusstsein des
Patienten verhält. Ist er wach und bewusstseinsklar, ist sein Bewusstsein
auf natürliche Weise verändert oder ist es krankhaft gestört? Wenn ja,
worauf ist dies zurückzuführen? Alkohol, Drogen und andere Substanzen können
das Bewusstsein beeinträchtigen. Das gilt auch für eine Vielzahl von
Erkrankungen des Gehirns selber sowie Krankheiten, die sich auf die Funktion
des Gehirns auswirken. Bei einer neu aufgetretenen Bewusstseinsstörung gilt
es die Ursache heraus zu finden, um geeignete Behandlungsmöglichkeiten
anzuschließen. |
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Als Patient bei vollem Bewusstsein
Gar nicht so selten sind epileptische Anfälle, bei denen im Gegensatz zum
sog. Großen Anfall (Grand Mal-Anfall) das Bewusstsein voll erhalten ist. In
der Neurologie gibt es z. B. die Amyotrophische Lateralsklerose, bei der die
Betroffenen ihre fortschreitende (Atem-)Lähmung bewusst miterleben. Dies
gilt auch für die das Gehirn angreifende Tollwut oder die
Lebensmittelvergiftung mit dem Nervengift Botulin. In der Neurochirurgie ist
es bei einigen gezielten Eingriffen erforderlich, dass der Patient wach und
ansprechbar bleibt.
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Bewusstseinsstörungen
In der Psychiatrie werden zwei Formen der Bewusstseinsstörung unterschieden.
Krankhafte Veränderungen im Bereich des Wachseins werden als
Vigilanzstörungen oder quantitative Bewusstseinsstörungen bezeichnet.
Hierbei nimmt der Grad an Wachheit ab, d. h. die Bewusstseinshelligkeit.
Üblicherweise werden dabei vier Stadien unterschieden.
Die wohl geläufigste Form der Bewusstseinsstörung ist die Bewusstlosigkeit,
wobei mit diesem Begriff keine konkrete Aussage über den Grad der
Bewusstseinstrübung verbunden ist. Der Bewusstlose reagiert nicht auf
(lautes) Ansprechen und (kräftiges) Anfassen bzw. Schütteln, zeigt auch kaum
Reaktion auf Schmerzreize. Die Muskeln sind erschlafft und wichtige
Schutzreflexe wie Schlucken oder Husten funktionieren nicht mehr. Es besteht
somit die Gefahr, dass der Betroffene erstickt.
Die Benommenheit als leichtestes Stadium der Bewusstseinsstörung geht einher
mit Verlangsamung im Denken und Reagieren, mit Müdigkeit und Schläfrigkeit.
Der Blick für zeitliche Abläufe wird getrübt. Das klare Denken oder Lösen
von komplizierten Aufgaben gelingt nicht mehr oder nur noch kurzfristig.
Bei der Somnolenz ist der Betroffene schon stark verlangsamt, apathisch und
schläft immer wieder ein, er kann aber durch stärkere Weckreize wie lautes
Ansprechen oder Schütteln geweckt bzw. am Schlafen gehindert werden. Von
sich aus spricht er in der Regel nicht mehr, die Aussprache ist meist
deutlich beeinträchtigt, das Gesagte besteht nur noch aus wenigen Worten.
Während im Sopor noch mit Mühe und intensivsten Reizen eine kurzfristige
Reaktion bzw. Weckung möglich ist, ist der Mensch im Koma nicht mehr weckbar.
Selbst stärkste Weckreize (z. B. Schmerzen) rufen keine Regung mehr hervor.
Beim Wachkoma oder apallischen Syndrom, das mitunter Folge einer schweren
Hirnschädigung ist, erscheint der Betroffene dagegen tagsüber wach, während
er nachts meistens schläft. Im Wachzustand liegt er in der Regel ruhig,
fixiert mit den offenen Augen nicht die Umgebung, spricht nicht, reagiert
nicht auf Reize und führt keine sinnvollen Handlungen aus. Auch hier gibt es
mildere Formen mit gewissen Reaktionen auf Reize aus der Umwelt.
Im Gegensatz zu den vorgenannten Zuständen einer Bewusstseinsverminderung
gibt es auch eine Überwachheit. Hierfür kennzeichnend sind u. a. erhöhte
Aufmerksamkeit, schnelle Auffassungs- und Reaktionsfähigkeit sowie rasches
Begreifen.
Eine Bewusstseinsstörung kann viele Ursachen haben und weist immer auf eine
deutliche Beeinträchtigung der Hirnfunktion hin. Durchblutungsstörungen,
Entzündungen, Stoffwechselstörungen oder Sauerstoffmangel als allgemeine
Störungen können das Bewusstsein herabsetzen. Dies gilt besonders für
unmittelbare Schädigungen des Gehirns durch z. B. Gehirnerschütterung,
Hirninfarkte, Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Trauma und Hirntumoren. Auch
epileptische Anfälle als vorübergehende Störungen der Hirnfunktion sind zu
nennen. Die eher seltene Überwachheit wird in erster Linie durch bestimmte
Drogen und manische Zustände hervorgerufen.
Als qualitative Bewusstseinsstörungen werden krankhafte Veränderungen im
Bereich der Bewusstseinsklarheit bezeichnet. Obwohl wach, sind die
Betroffenen in unterschiedlichem Ausmaß verwirrt und vor allem
desorientiert. Die häufigsten Störungen dieser Art sind das Delir und der
Dämmerzustand.
Im Delir geht die zeitliche und örtliche Orientierung sowie der Zusammenhang
im Denken verloren. Es kann passieren, dass Personen und Situationen
verkannt werden. Oft kommt es zu optischen Halluzinationen, d. h. es werden
Personen, Tiere o. a. gesehen, die real nicht vorhanden sind. Es können aber
auch andere Halluzinationen auftreten, z. B. das Hören von Stimmen oder
Geräuschen oder das Fühlen von Veränderungen z. B. am Körper. Diese
Veränderungen und Fehleinschätzungen rufen nicht selten Angst, Unruhe und
Rastlosigkeit hervor. Dem deliranten Menschen fehlt die Einsicht, krank zu
sein und die Fähigkeit, sein Verhalten richtig zu steuern. Im Delir treten
oft auch vegetative Veränderungen wie Anstieg von Blutdruck, Puls und
Temperatur, ferner Schweißausbrüche und Zittern hinzu, die u. a. zur starken
Kreislaufbelastung führen können. Ein Delir kann nur Stunden, aber auch Tage
andauern, die Betroffenen können sich anschließend nicht oder nur teilweise
daran erinnern. Ursache für ein Delir ist nicht nur die Alkoholkrankheit, es
ist auch möglich unter dem Einfluss von Vergiftungen oder bei
Unverträglichkeit verschiedener Medikamente. Bei stärker Demenzkranken
entspricht eine abends/nachts einsetzende erhöhte Verwirrtheit oft einem
deliranten Zustand. Weitere Ursachen sind z. B. starke Stoffwechselstörungen
und hohes Fieber.
Beim Dämmerzustand ist das Bewusstsein eingeengt auf bestimmtes inneres
Erleben. Entsprechend ist die Beachtung der Umwelt vermindert oder ganz
aufgehoben. Auf Außenreize oder Ansprache erfolgt eine veränderte oder keine
Reaktion. Die Denkvorgänge sind gestört, Verkennungen und Halluzinationen
können vorkommen. Die Betroffenen können ruhig, aber auch unruhig oder
erregt sein. Die beim Delir häufigen vegetativen Störungen kommen in der
Regel nicht vor. Meist beginnen und enden Dämmerzustände plötzlich, oft
enden sie mit einem Schlaf. Nachher besteht keine Erinnerung an den
Dämmerzustand, d. h. es liegt eine Amnesie vor. Abhängig von der Ursache
wird zwischen organischen und psychisch bedingten Dämmerzuständen
unterschieden. Zur ersten Gruppe gehören Dämmerzustände bei bestimmten
epileptischen Anfallsformen, nach einer Hirnschädigung oder beim Aufwachen
aus der Narkose, bei Hirndurchblutungsstörungen, Stoffwechselstörungen und
Vergiftungen. Unfälle oder mit starker Angst erlebte Situationen können
einen seelisch bedingten Ausnahme- oder Dämmerzustand herbeiführen.
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Schizophrenie, schizotype
und wahnhafte Störungen (F2)
Je nach vorherrschender Symptomatik unterscheiden wir eine „paranoide
Schizophrenie“ von einer „hebephrenen, katatonen oder undifferenzierten
Schizophrenie“. Der unterschiedliche Krankheitsverlauf kann schon in der
Diagnose mit den Bezeichnungen „kontinuierlich“ oder „episodisch“
gekennzeichnet werden. Besondere Verlaufsformen sind die „Schizophrenia
simplex“ und das „schizophrene Residuum“. Abzugrenzen von der Schizophrenie
ist eine „anhaltende wahnhafte Störung“. Diese Diagnose wird gestellt, wenn
ein länger andauernder Wahn besteht, gleichzeitig aber keine Hirnerkrankung
nachweisbar und auch kein Zusammenhang mit einer Schizophrenie erkennbar
ist. Eine häufige Diagnose ist auch die „vorübergehende akute psychotische
Störung“, die eine Reaktion auf eine akute schwere Belastung darstellen
kann. Oft genug bleibt die Ursache dieser Störung jedoch unklar. Nicht so
selten sind auch „schizoaffektive Störungen“. Hier finden sich schizophrene
Symptome gleichzeitig mit ausgeprägteren depressiv bzw. manisch gefärbten
Krankheitsepisoden.
Der Begriff „Schizophrenie“ wurde erst 1911 von Bleuler geprägt. Vorher war
von einer „Dementia praecox“ die Rede, bei der„hebephrenische, katatonische
und paranoide Formen“ unterschieden wurden. Unterstellt wurde bei allen
Formen ein fast immer eintretender bleibender „eigenartiger
Schwächezustand“. Die „Verrücktheit (Paranoia)“ kennzeichnete das chronische
Vorhandensein von Wahn als Hauptsymptom.
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