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Lichtblicke für die Seele 

Psychische Störungen im Alter
Wenn die Tristesse im Alter aufs Gemüt schlägt

Fit sein im Alter, mit dem Partner die Rente genießen, auf Reisen gehen, sich etwas gönnen, die letzten Lebensjahre so angenehm wie möglich gestalten - wer träumte nicht davon?

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Alt werden und dabei möglichst gesund bleiben, das will jeder. Darum werben Wellness-Hotels, Sanatorien und Senioren-Residenzen mit aufwendigen Hochglanzanzeigen und versprechen ein sorgenfreies Alter, rundum betreut, in schönster Umgebung.

Doch die Realität sieht häufig ganz anders aus, wenn die Rente klein ist, der Partner verstorben und die körperlichen Beschwerden immer mehr zunehmen. Statt des sonnigen Lebensabends herrscht dann die Tristesse des Alters und die schlägt den Senioren häufig aufs Gemüt. Kein Wunder, dass psychische bzw. seelische Erkrankungen bei älteren Menschen nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumoren die dritthäufigste Krankheitsgruppe darstellen. „Wir gehen davon aus, dass fast ein Viertel der über 65-Jährigen an einer psychischen Störung leidet", berichtet Christine Webel, Oberärztin der Abteilung für Gerontopsychiatrie.

Die Familienserien im Fernsehen mit fitten, unternehmungslustigen Alten zeichnen da ein ganz anderes Bild. Da sind die netten Senioren höchstens mal verwirrt, weil sie den Schlüssel verlegt haben; aber die Hölle, die ein Alzheimer-Patient durchleidet, kommt auf dem Bildschirm nur in Ausnahmefilmen vor. Und wenn der ältere Mensch von Depressionen gepeinigt wird, dann sind die Kameras für die Vorabendserien längst abgeschaltet. In diesen Fällen bieten unsere Abteilungen für Gerontopsychiatrie ihre Hilfe an.

Frau E. gehört dort zu den teilstationären Patienten. Sie ist 72 Jahre alt, verwitwet. Zuletzt hat sie bei der Familie ihrer Tochter gelebt, weil sie mit dem Alleinsein in ihrer Wohnung nicht mehr fertig wurde und weil sie auch die Hausarbeit am Ende nicht mehr bewältigen konnte. Mutlosigkeit, Schlafstörungen und Angstzustände waren die Folge. Im Haus ihrer Tochter fühlte sie sich zunächst besser. Doch dann traten die Symptome noch stärker auf, schließlich stellten sich bei Frau E. sogar Suizidgedanken ein.

30 bis 40 Prozent unserer Patienten in der Gerontopsychiatrie leiden an einer Depression
In ihrer Not greift sie schließlich zum Telefon und meldet sich zur teilstationären Behandlung in der Psychiatrie an. Dort stellen die untersuchenden Ärzte das Vorliegen einer Depression fest. Neben den Demenzen, z. B. vom Alzheimer-Typ, stellen Depressionen nach Angaben der Oberärztin Christine Webel die zweitwichtigste psychische Erkrankung im Alter dar. „30 bis 40 Prozent unserer Patienten in der Gerontopsychiatrie leiden an einer Depression", berichtet die Medizinerin. Auslöser dieser psychischen Erkrankungen im Alter sind so genannte kritische Lebensereignisse. Das können z. B. schwere Erkrankungen sein, aber auch der Eintritt in den Ruhestand, der Verlust des Partners, der Auszug des letzten Kindes und nicht selten das Bewusstsein der eigenen Todesnähe. Nach Einschätzung von Experten gibt es keine spezifische Form der Altersdepression.

Als charakteristische Symptome nennt Christine Webel: Deprimiertheit, Antriebsminderung oder -hemmung, vegetative Störungen sowie Schmerzen und Vitalstörungen. Die schlagen sich z. B. nieder in Schlafstörungen, Appetitmangel, Schuldkomplexen, Verarmungsängsten, Unruhe und Erregung aber auch hypochondrischen oder nihilistischen Wahnideen. „Viele unserer Patienten haben sich nicht auf das Alter vorbereitet. Ihnen wird der Tag lang und sie können in ihrem Leben keinen Sinn mehr erkennen.

Bei Senioren, die in einer betreuten Einrichtung leben, trifft man nach Angaben der Oberärztin zuweilen noch eine besondere Form der Altersdepression an. Sie äußert sich darin, dass Patienten z. B. ihre Körperpflege vernachlässigen, nicht mehr essen und trinken wollen oder keine Medikamenten einnehmen. Teilweise verweigern sie sogar die Kommunikation und werden aggressiv gegen sich selbst oder gegen andere. Diese Form der Selbstaufgabe, Experten sprechen vom „Sich-Sterben-Lassen" oder vom „stillen Suizid", kommt nach Beobachtungen von Christine Webel nicht nur in Seniorenheimen vor. „Nicht selten sehe ich so ein Verhalten auch bei Patienten hier in der Klinik.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen bei den Krankheiten im Alter auch die Suchterkrankungen

Da stellen sich dann nicht nur Fragen nach den Grenzen der Behandlung, da steht man auch sehr schnell vor ethisch-moralischen Problemen." Neben Demenzen und Depressionen werden in der Gerontopsychiatrie auch Schizophrenien behandelt, wobei die Rate an Neuerkrankungen und die Häufigkeit der Schizophrenie nach den Beobachtungen der Oberärztin im Alter eher abnehmen. Wahnhafte Störungen im Alter entwickeln sich z. B. aufgrund zunehmender sozialer Isolierung, wenn es keinen Partner mehr gibt und auch die Kontakte zu Freunden und Nachbarn nachlassen. „Das führt bei den Betroffenen zu einer zunehmenden Konzentrierung auf die eigene Person und begünstigt so wahnhafte Entwicklungen", so Webel.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen bei den Krankheiten im Alter auch die Suchterkrankungen, hier vor allem der Alkoholismus. Die Häufigkeit lässt allerdings im Alter nach. Das liegt nach Angaben der Oberärztin an dem hohen Sterblichkeitsrisiko von Alkoholikern und am nachlassenden Alkoholkonsum im Alter. Den Anteil der Alkoholabhängigen unter den Senioren beziffert die Medizinerin mit 0,5 bis 2 Prozent, wobei der Anteil der Männer deutlich über dem der Frauen liegt. Die Symptome, so Webel, sind bei den älteren Abhängigen ähnlich wie bei jüngeren. „Allerdings treten die Symptome bereits bei niedrigeren Trinkmengen und kürzerer Trinkdauer auf." Neben der akuten Suchtproblematik müssen in der Gerontopsychiatrie nicht selten auch die alkoholisch bedingten psychiatrischen Folgeerkrankungen behandelt werden. Hier nennt die Oberärztin als ein Beispiel das so genannte Korsakow-Syndrom.

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